Premiere in Ruhpoldinger Heimatbühne „Kille Kille“
Eine furiose Farce fulminant in Szene gesetzt –
Kennen Sie „Arsen und Spitzenhäubchen“? Jene, bisweilen skurrile bis latent makabere Komödie aus dem Jahre 1944, die gerne auch als Krimi durchgeht. Ähnlich verhält es sich mit dem Stück „Kille Kille“ von Derek Benfield, mit dem die Ruhpoldinger Heimatbühne nun in eine neue Spielzeit geht. Die schlechte Nachricht vorweg: die ersten fünf Termin waren innerhalb von drei (!) Stunden ausverkauft, die gute folgt sogleich: weitere Termin sind in Vorbereitung und am 07. April startet der neue Vorverkauf. Einfach mal auf die Homepage schauen.
„Kille Kille“ ist eine pechschwarze Komödie, eine Farce mit der Würze des ebenso berühmt wie berüchtigtem typisch britischen Humor. Da denkt man an nichts Schlimmes und schon gibt es eine Reihe von kuriosen Zufällen die sich im Hause Kappel (Eheleute Andreas & Babette Kappel perfekt dargestellt von Hermann Hipf und Marianne Plenk) ereignen. Karl (brillant gespielt von Michael Lindhuber) gerät in den Strudel der Ereignisse und seine Freundin Susanne (Theresa Frisch: sehr überzeugend) zeigt sich überraschend unbeeindruckt ob dieser Ereignisse.

Lästige und unvorhergesehene Unfälle mit Todesfolge. Erst stürzt der Fensterputzer von der Leiter, dann erwischt es den Fernsehtechniker, und auch der Gasableser überlebt seinen Besuch bei Andreas (äußerst souverän: Hermann Hipf) und seiner Ehefrau (authentisch und top: Marianne Plenk) nicht. Karl verliert mehr und mehr die Fassung, die Familie nimmt es – warum auch immer – mit professioneller Gelassenheit. Als schließlich Karl auch noch eine Leiche (auch tot spielen will gekonnt sein: Lukas Veit) im Kleiderschrank auffindet, ist die Turbulenz perfekt. Eine Szene folgt der nächsten, es geht Schlag auf Schlag. Der neue Diakon Leopold (einmalig: Simon Geierstanger) wird vorstellig und kommt gänzlich ungelegen, die Schwiegereltern Auguste und Eduard (süß & toll: Regina Tiefenthaler und Manfred Hartl) kündigen sich an und Andreas weiß nicht mehr, wo er all die Leichen noch ablegen soll. Das Tante Claudia (unerschütterlich und unbeeindruckt: Johanna Neumaier) kaum Verwerfliches an all diesen Vorfällen findet, verunsichert Karl gleichermaßen, wie es das Publikum im ausverkauften Ruhpoldinger Pfarrsaal erheitert. Als schließlich der Diakon aufgrund des unkontrollierten Alkoholkonsums das zeitliche segnet kommen alle Akteure organisatorisch und auch räumlich an ihre Grenzen.

„Kille Kille“ ist nicht nur eine rasante Komödie mit Dialogen, die den Lachmuskel auf eine harte Probe stellen, sondern auch ein von der Regie (Herman Hipf & Simon Geierstanger) perfekt inszeniertes Stück britischer Humorkunst. Auch die Maske (großes Lob: Selma Götz) und die Technik (fehlerfrei: Hans Wiser) sind verantwortlich für das insgesamt sehr hohe Niveau dieser aufwändigen (38 Proben in 25 Wochen) Theater Aufführung.
Kurzum: ein herrliches Stück englischen Humors, dass mit ausgesprochenen und vor allem unausgesprochenen Vermutungen spielt und so für immer mehr Verwirrung und kompromittierende Situationen sowie große Heiterkeit im Publikum sorgt.
Am Ende ist es wie im richtigen Märchen, alles wird gut – oder doch nicht? Oder anders? In der letzten Szene – kurz nach der längst überfälligen Paketlieferung von Lena (sehr sympathisch Helena Schweidler), der Paketbotin, überlassen die hervorragenden Schauspieler die Ruhpoldinger Gäste mit dieser Denksportaufgabe. Tolles Theater.
*** © Udo Kewitsch / 24 Mär 25 / Zeilen 48 / Zeichen 3471 ***