Wunderschönes Wiener Soul Konzert
Sie sind nicht so bekannt wie Nena oder U2 … die Formation mit dem wohlklingenden Namen „5/8erl in Ehrn“ sind eher eine rare Spezies, die allerdings den nachhaltigen Weg ins Ohr leise, unaufhaltsam und schließlich auch generationsübergreifend findet. Sie passen in keine rechte Schublade und verorten sich selbst im ersonnenen Genre des „Wiener Souls“. Sie sind weder eine Rockband, schon gar nicht würde ich sie in die Liedermacher Ecke stellen, sie sind keine Stars und doch so unbandig toll. Ihre Sprache ist der Wiener Soul, ihre Kraft schöpfen sie insbesondere aus den Kehlen der „Hauptdarsteller“: Max Gaier und Bobby Slivosky, deren Stimmen nicht nur vielschichtig, sondern um Duett unglaublich harmonisch, einnehmend und umarmend sind. Es ist der Mix aus dem Motown Sound der seine Anleihen in Havanna und eben jenem Vienna nimmt. Die Songs sind ebenso Radio- wie Freibad tauglich, und reißen zur rechten Zeit auch den Saal im Bierzelt mit.

So auch am vergangenen Wochenende auf der ausverkauften Bühne der Auers Schloßwirtschaft in Neubeuern. Max Gaier, Bobby Slivosky und ihre Komparsen, allen voran Miki Liebermann an der Gitarre, Clemens Wenger phantastisch am Wurlitzer und Akkordeon ebenso wie Hanibal Scheutz am (Kontra)Bass. Alle eint die innig intensive Liebe zur Musik, die sie auch auf ihrem siebten Album „Burn on“ zelebrieren und zum Besten gaben.
Der Blick auf das Gift unserer Zeit und auf das, was der Balsam für die Seele ist, ist Kern dieser „Burn On“ Tournee und launig moderieren sie ihre Songs an, von denen sich einer nach dem anderen gefühlvoll seinen Weg bahnt. Sie behandeln die Krankheit all jener, die ständig am Anschlag sind, aber sich noch die Schuhe zubinden können – eine erschöpfte Gesellschaft, deren zwanghafter Optimierungsdrang dazu führt, dass es im Alltag für alles ein Zeitfenster und Dauerstress gibt. Egal ob es dieses „Ka Wort zvü“ oder das beziehungsintensive „Dazwischen“ ist, einerlei ob sie die „Arbeit 2.0“ sezieren oder „Wo die Sun aufgeht“ anstimmen. Das dankbare Publikum saugt jede einzelne Note auf, nimmt die Botschaft auf und manch einer versucht seine eigene innere Einkehr zu finden, wie es Max Gaier während einzelner Solis schafft. Augen zu und lauschen.
So einzigartig dieses Quintett, so pfiffig die Idee der Pausengestaltung. Das der Künstler eine Pause ankündigt ist nicht neu, dass die gesamte Band während ihre Platte im Hintergrund läuft, es sich aber auf der Bühne gemütlich macht und dem Publikum beim Pause-machen zusieht ist neu. Arbeit 2.0.

Seit nunmehr 19 Jahren, nach sieben Alben, sechs dekorativen Preisen und über 1000 Konzerten folgen „5/8erl in Ehrn“ kompromisslos ihrem Weg nach ihren eigenen Kriterien, auf einem unabhängigen Label, im Do-It-Yourself Modus und das Publikum im Rücken. BURN ON! ist eine musikalische Entwaffnung solange bis die Sonne aufgeht und das Herz aufmacht. Was tut uns als Menschen gut? Der einfache Satz „Lass uns kurz sprechen, nur geben wir uns Zeit.“ wirkt radikal, die Zeile „Nichts gemeinsam gemacht, weder geweint noch gelacht“ sehr vertraut. Wahrscheinlich berührt die Band deshalb so, weil sie oft ruhig und leise anspielt, was dermaßen in dieser lauten Welt zu kurz kommt.
So bleibt über den gesamten Abend hinweg das Konzert äußerst stimmig, harmonisch und entlässt die Besucher in glückseliger Stimmung. Besser als die Künstler selbst vermag man deren Kunst nicht auf einen treffenden Nenner zusammenfassen:
„5/8erl in Ehr’n sind Meister*innen der anschmiegsamen Attacke. Es ist alleine ihrem Verständnis von Bösartigkeit und Empathie zu verdanken, dass sie solche inhaltlichen und musikalischen Haken schlagen können. Niemand singt so schön „Bescheidenheit“. Wie können Songs so angenehm und leichtfüßig daherkommen und gleichzeitig so scharf sein? Da schauen sich viele Perspektiven an. Mit ihren paradoxen Interventionen möchte man am Strand liegen, unter der kuscheligen Decke positiv Sex haben, immer wieder lange ausatmen und still weinen. Am Ende weiß man nicht, wer der Trottel ist, aber man weiß, was hilft.“
Damit ist der Inhalt dieses wunderbaren Abends im Auers Livebräu auch umfassend herausgearbeitet und es bleibt die Erkenntnis: in die Hall of Fame können auch jene kommen, die ihren eigenen Weg gehen und derart schöne Konzerte abliefern.
*** © udo kewitsch, Mär25, Zeichen 4340, Zeilen 56***